Man sieht mit nichts so klar
wie mit dem Herzen.
Das Bedeutende ist für
die Augen unsichtbar.
Antoine de Saint-Exupery
Weitere Erläuterungen zusammengestellt von Ortsheimatpfleger Gerhard Henneke
Weihnachten 2019
Lage nach Straßenbezeichnung: Goethestr. 11
Geographische Lage nach Google Earth:51°33'43.47'' N 8°19'27.94'' O
Höhe ü.N.N. 194 m
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Der Bildstock steht unter Denkmalschutz und ist von der Fa. Nüthen Bad Lippspringe restauriert worden.
Die von der Gemeinde Anröchte in den Jahren nach 1980 eingesetzte Kommission zur Erfassung aller denkmalwürdigen Bauwerke schreibt folgendes:
Der aus der Mitte des 18. Jh. stammende Bildstock in auffallend schmaler Erscheinungsform des Rokoko besitzt an der Vorderfront und den Seitenflächen des Sockels Inschriften, deren Wortlaut, Namens- und Zahlenangaben durch den fragmentarischen Zustand leider kaum noch zu entziffern sind.
Auf der Sockelvorderseite die (wohl als Chronogramm stilisierte) Widmungsinschrift:
Domina (honesta?), ora
pro nobis
(mensa placida?)
virgo Maria in omnes
turbationes et angustias
nostras Bernhard (Mues)
[=Verehrte Schutzherrin, bitte für uns,
für ausreichende Nahrung, Jungfrau Maria, und in all
unseren Wirrungen und Nöten.
Bernhard Mues]
Es ist davon auszugehen, dass das der Gottesmutter und Jungfrau Maria gewidmete religiöse Monument im Jahr 1761 nach Erwerb des Anröchter Schultenhofes vom bisherigen Grundherrn, der Adelsfamilie von Landsberg zu Erwitte, durch Dr. Dr. Bernhard Wilhelm Mues, Richter des Patrimonialgerichts Mellrich und des Gerichts Friedhardskirchen, Syndikus des adligen Damenstifts Geseke, errichtet wurde.
Auf der linken Sockelseite findet sich die Inschrift:
R(enovatum)
MDCCCLXI [=1861]
ab coniugibus [durch die Eheleute
Friderico Mues
Bernhardina Luigs
100 Jahre nach seiner Stiftung wurde der Bildstock folglich 1861 vom Urenkel Friedrich Mues und seiner Ehefrau Bernhardina geb. Luigs renoviert.
An der rechten Sockelseite findet sich folgende Inschrift:
Pro gloria Dei et honore
s(ancti) Bernhardi
(curavit?) Carolus Boeckeler
Praepositus in Belecke (et)
Pronepos (exstruc)toris
186(1)
[Zum Ruhme Gottes und zur Ehre des hl. Bernhard förderte
dies Karl Böckeler, Propst in Belecke und Großenkel des Erbauers, 1861)
Diese Inschrift bezieht sich ebenfalls auf einen Urenkel des Stifters, den Propst und Belecker Pfarrer Karl Böckeler (1800-1868), der sich offensichtlich an der Renovierung des Monuments mit einer Widmung an den hl. Bernhard, den Namenspatron des Urgroßvaters, beteiligte. Bis zum 1. Weltkrieg war der Bildstock Station der Markusprozession, einem ausgedehnten religiösen Bittgang um die Grenzen der Anröchter Feldmark Ende April.
Quelle:
Juckenhöfel, Elisabeth u.a., Bildstöcke in Geschichte u. Brauchtum uunserer Gemeinde, Anröchte 1984, S. 93f
Schultze, Diethelm, Eine Darstellung der Anröchte Wegekreuze und Heiligenhäuschen, Anröchte 1966 (Maschinenschrift), S. 56f
Müller, Helmut, Anröchte - Geschichte seiner Ortschaften von den Anfängen bis um 1800, Lippstadt 1993, S. 138
Zur Geschichte des Hofes klicken Sie bitte hier: "Der Mues-Hof in Anröchte".