Die Geschichte

der Alexanderschule

Über die Geschichte der Mellricher Schulen liegen zwei Berichte von Mellricher Schulleitern vor, und zwar von Gerhard Priesnitz und von Hubert Marke. Sie überschneiden sich inhaltlich teilweise, setzen aber unterschiedliche Akzente.
 
Der Bericht von Gerhard Priesnitz:
In einer interessanten Kirchenrechnung aus dem Jahre 1652 wird zum ersten Mal die Schule erwähnt. Die Eintragung lautet dort:
"Dem Glasermeister, welcher etliche neue Gläser in die Schule gemacht hat, gegeben 18 Groschen". Sicherlich kann angenommen werden, dass die Schule in Mellrich früher bestanden hat; Nachweise liegen darüber aber nicht vor, denn im Dreißigjährigen Krieg sind sicherlich viele Dokumente der Pfarrei verloren gegangen. In der Mellricher Dorfchronik "Mellrich - ein Dorf an der Haar" schreibt Rektor i.R. Gerhard Priesnitz u.a.: "Es ist anzunehmen, dass die Schule in jener Zeit auf Betreiben und unter Mitwirkung des Pfarrers im Kirchspiel Mellrich eingerichtet und unterhalten wurde. Der Unterricht wurde damals von einem Handwerker oder dem Küster erteilt, wenn sie lesen, schreiben und rechnen und außerdem biblische Geschichten erzählen und die wichtigsten Sätze der Glaubenslehre erklären konnten. Als Klassenzimmer diente ein Raum im Wohnhaus des "Lehrers". Vorsitzender des Schulvorstandes und Orts-Schulinspektor war in jener Zeit stets der jeweilige Pfarrer."
Mit der Gründung der Vikarie in Mellrich im Jahre 1667 trat eine entscheidende Veränderung im Leben der Mellricher Schule ein, denn ab da übernahmen die Vikare an der Schule den Unterricht. "Als Entgelt für den Schuldienst bezog der Vikar ursprünglich Schulgeld, und zwar von jedem Kinde 4 1/2 Silbergroschen, später erhöht auf 11 Silbergroschen 1 Pfennig.
Jahre gingen ins Land. Schwierig wurden die Verhältnisse wegen der ansteigenden Kinderzahl in der Mellricher Schule in den Jahren um 1830. In der Mellricher Chronik ist zu lesen, "dass eine einschneidende Änderung im Schulbetrieb erforderlich wurde." Der seit 1798 amtierende Vikar Augustinus Hoffherr, in Mellrich geboren, war mit zunehmendem Alter den Anforderungen der Schule allein nicht mehr gewachsen. In seiner Arbeit wurde er vom Küster und Organist Heinrich Drepper (ein Bruder des Bischofs Franz Drepper) unterstützt. Nach dem Tode des Vikars Hoffherr im Jahre 1847 wurde Franz Waltemode Schulvikar und Küster Heinrich Drepper gab den Schuldienst auf. Vikar Franz Waltemode war nicht imstande, allein den Dienst an der Schule zu leisten. In seinem Jahresbericht schreibt der damalige Bezirksschulinspektor Pfarrer Fleige, Benninghausen: " In Mellrich ist die Errichtung einer 2. Lehrerstelle durchaus notwendig.", denn 176 Kinder besuchten die Schule im letzten Sommer-Semester. Endlich, ab dem Jahre 1848 unterrichteten weltliche Lehrer in der Unterklasse, während der jeweilige Vikar die Oberklasse führte.
Vorhanden war jedoch nur ein Klassenzimmer, so dass der Unterricht vormittags und nachmittags erteilt werden musste.
In den 70er Jahren traten Ereignisse ein, die das Schulwesen in Mellrich grundlegend veränderten. Auf Antrag des Schulvorstandes im Jahre 1872 ordnete die Regierung in Arnsberg die Umwandlung der 2. Lehrerstelle in eine Lehrerinnenstelle an. Die Stelle wurde am 17. März 1873 mit der Lehrerin Maria Budde besetzt. Der in Mellrich geborene praktische Arzt Dr. Theodor Budde - ein Verwandter der erwähnten Lehrerin - hatte bei seinem Tod eine Stiftung hinterlassen. Die Erträge aus der Stiftung sollten für die weibliche Jugend verwendet werden. Ab 1872 konnte von den Zinsen das Gehalt einer Lehrerin bezahlt werden.
Die Kinder wurden fortan getrennt nach Jungen und Mädchen unterrichtet. Dadurch wurde ein zweiter Schulraum erforderlich. Die Mädchenklasse wurde als Schulneubau mit Lehrerinwohnung im Jahre 1884 vollendet. Dass er auf der anderen Straßenseite gegenüber dem bisher benutzten Schulgrundstück errichtet wurde, hatte den Umstand als Ursache, dass Max Freiherr von Fürstenberg schon 1860 der Schulgemeinde ein Grundstück an dieser Stelle geschenkt hatte.
Durch die starke schulische Beanspruchung des Vikars, der die seelsorglichen Aufgaben kaum noch wahrnehmen konnte, wurde im Jahre 1874 die Trennung der Vikarie von der Schulstelle angeordnet. Infolge des herrschenden Lehrermangels konnte die Stelle jedoch nicht besetzt werden. Deshalb unterrichtete der Vikar vorläufig weiter. Mit der fortschreitenden Verschärfung des Kulturkampfes wurde Vikar Rummel aus dem Schuldienst entfernt. Erster weltlicher Schulleiter wurde Lehrer Wilhelm Linnemann. Mit dem Kulturkampf endete auch die kirchliche Schulaufsicht. Der letzte Bezirksschulinspektor für das Amt Anröchte bis 1874 war Pfarrer Franz Waltemode von Mellrich.
Nachdem die neuerbaute Mädchenschule 1884 in Benutzung genommen worden war, ergab sich als erste bedeutende Aufgabe für den Schulvorstand die Errichtung einer neuen Knabenschule. In den Jahren 1909 bis 1911 waren viele Verhandlungen mit der Königl. Regierung in Arnsberg notwendig gewesen. Am 18. Oktober 1911 "vollzog Pfarrer Goßmann in Gegenwart des Schulvorstandes, der Lehrpersonen, der Schulkinder und vieler Pfarreingesessenen aus Mellrich, Robringhausen und Waltringhausen die Einweihung der neuen Schule."
Jahre gingen ins Land. Mit dem Schulbetrieb in beiden Schulgebäuden war man zufrieden. Dennoch wurden Überlegungen angestellt, ob die Knabenschule nicht erweitert werden könne. Somit könnte der Schulbetrieb in einem Gebäude abgehalten werden. Nachdem die Verhandlungen mit der Kath. Kirchengemeinde Mellrich erfolgreich verlaufen waren, das Grundstück der Mädchenschule gegen die Kempersche Besitzung getauscht werden konnte, begann man im Jahre 1961 mit dem Bau der dreiklassigen Volksschule.
Am 13. Oktober 1961 erfolgte die Grundsteinlegung, und am 11. Dezember 1963 war es dann endlich soweit: Die neue Schule konnte in feierlicher Form eingeweiht werden. Die Verhältnisse änderten sich in den Jahren 1965 bis 1969 dramatisch. Mit der Einrichtung der Mittelpunktschule in Mellrich, der sich anschließenden Neugründung der Kath. Grundschule am 1.August 1969 gingen die Kinder aus den Kirchspieldörfern in die Mellricher Schule. Im Jahre 1994 wurde der Name der Schule in "Alexanderschule Mellrich" geändert.
 
Der Bericht von Hubert Marke:
1652 Erste Erwähnung einer Schule in Mellrich
"Dem Glasermeister, welcher etliche neue Gläser in die Schule gemacht hat, gegeben 18 Groschen"
Die Schule bestand also schon. Es tauchen ab dieser Zeit immer wieder mal Ludimagister (Spielmeister) in den verschiedenen Orten des Kirchspiels auf. In Mellrich als erster namentlich genannt Schulmeister Heinrich Schulte im Jahre 1664.
1668 wird eine Vikarstelle in Mellrich eingerichtet, der Vikar übernimmt den Schulunterricht, der in der Vikarie stattfindet.
1769 Die Kirchspielgemeinden außer Uelde, (Uelde hatte stets eine eigene Schule, erstmalig 1651 urkundlich erwähnt!) streiten mit dem Vikar um die Kosten für den Schulraum. Die Orte bestreiten, dass sie eine eigene Schule haben, da der Unterricht in der Vikarie stattfinde. Der Richter fällt das Urteil, die Orte müssen den Schulraum instand setzten oder einen anderen Schulraum unweit der Kirche beschaffen. Sie mieten eine Stube im Wirtshaus an, der Pfarrer akzeptiert das nicht. Dann schicken die Eltern die Kinder in Nachbarorte. Auf richterliche Anordnung müssen die Orte die Kinder wieder in die auf ihre Kosten renovierte Vikarie schicken.
1798 gibt es in Mellrich und Uelde 128 schulfähige Kinder, von denen im Sommer nur höchstens 10 die Schule besuchen. Die anderen helfen auf den Feldern und beim Vieh hüten.
1826 wird das alte Schulgebäude abgerissen und neu errichtet. Dieses Gebäude war Eigentum des Kirchspiels und Wohnung für den Vikar.
1848 wird eine zweite Lehrerstelle eingerichtet. 176 Kinder besuchen die Schule. Ein Lehrer unterrichtet die Unterklasse, der Vikar die Oberklasse. Bei nur einem Raum bedeutete dieses, dass Unterricht am Vor- und Nachmittag stattfand.
1872 wird eine Stelle in eine Lehrerinnenstelle umgewandelt. Der aus Mellrich stammende Arzt, Dr. Budde, hatte eine Stiftung für die weibliche Jugend seines Heimatortes gemacht. Die Lehrerinnenstelle kann aus den Zinserträgen dieser Stiftung finanziert werden. Eine Verwandte des Stifters unterrichtet 48 Jahre lang die Mädchen.
1874 Ende der geistlichen Schulaufsicht
Ein Lehrer soll eingestellt werden, es findet sich wegen Lehrermangels aber kein Bewerber. So unterrichtet der Vikar weiter und zwar die Unterklasse Jungen als auch die Oberklasse Jungen, die Lehrerin unterrichtet die Mädchen. Somit bleibt dem Vikar keine Zeit für die Seelsorge, da er vormittags und nachmittags unterrichten muss.
Als Folge des Kulturkampfes wird der Vikar aus der Schule entfernt und Lehrer Wilhelm Linnemann wird Leiter der Schule. Die kirchliche Schulaufsicht ist schon 1874 beendet.
1879 gibt es einen Gebäudetausch. Das Schulgebäude geht in den Besitz der Schulsozietät Mellrich über, die Küsterwohnung (das Drepperhaus) wird Vikarie.
1884 wird ein zweiter Schulraum gebaut, die Mädchenschule auf der gegenüberliegenden Straßenseite (Schulstr. 2).
In der Folgezeit etabliert sich in Mellrich das "Dreiklassensystem" Jungenklasse, Mädchenklasse, Mischklasse. 1897 besuchen trotzdem immer noch je 54 Schüler die Knaben- und Mädchenklasse. Die Sammelklasse hat 45 Jungen und Mädchen.
Die Schülerzahl ist inzwischen gesunken, da Altenmellrich 1881 und Klieve 1887 eine eigene Schule erhalten. Beide Schulen verbleiben jedoch bis 1950 im Schulverband Mellrich. Robringhausen erhält erst 1919 eine eigene Schule, die bis 1960 zum Schulverbund Mellrich gehört.
1909 kauft der Schulverband ein kleines Grundstück von der Kirchengemeinde zur Abrundung des Geländes und errichtet 1910 die Knabenschule mit Lehrerwohnung, die recht großzügig gebaut wird, um einem Lehrer gute Wohnmöglichkeiten zu geben, und ihn damit nach Mellrich zu locken.
Obwohl es keine kirchliche Schulaufsicht mehr gibt, hat der Pfarrer noch sehr lange großen Einfluss auf die Schule. Er gehört zu den 8 Mitgliedern des Schulverbandes.
Eine kleine Anekdote am Rande: Zwischen Pfarrhaus und Schulleitung gab es einen "guten Draht". Ein Draht war nämlich vom Pfarrhaus zum Lehrerhaus gespannt, an dessen Ende ein Glöckchen hing. Wenn der Pfarrer am Seil zog, läutete das Glöckchen und der Lehrer, der auch Organist war, hatte unverzüglich beim Pfarrer zu erscheinen. (Information von einem Enkel des Lehrers Bäumer)
Von 1959 bis 1965 werden die Schulen im Kirchspiel Mellrich instandgesetzt, umgebaut und erweitert. Die Planungen für Mellrich beginnen 1957. Es wird von der Bezirksregierung zur Auflage gemacht, die Schule so zu konzipieren, dass sie auf 5 Klassen erweitert werden kann. Es beginnen Diskussionen zur Errichtung von Mittelpunktschulen.
1961 ist die Grundsteinlegung. Die Schulreform rückt näher. Anröchte und Mellrich sind für eine Mittelpunktschule vorgesehen. Diese Reform ist Ende 1966 abgeschlossen. Mit der Reform wird das Schuljahr von Ostern in den Sommer verlegt und mit 2 Kurzschuljahren das 9. Schuljahr eingeführt.
1963 wird die Schule nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht. Der ortsansässige Unternehmen, der eigens für den Schulbau ein Baugeschäft gründete, kann den Bau nicht zu Ende führen und ein anderer Unternehmer aus Mellrich vollendet dann den Schulbau
Nach und nach kommen die Schüler aus den Nachbarorten hinzu: Ostern 1964 die Kinder der Klassen 7 und 8 aus Klieve, Ostern 1966 die Kinder aus Robringhausen und die restlichen Kinder aus Klieve. Diese beiden Schulen schließen damit ihre Pforten.
1966 am 1.12. besuchen alle Kinder des Kirchspiels - wie auch die Schüler der Klassen 7-9 aus Altengeseke - die Mittelpunktschule in Mellrich. Wegen Raummangels sind 2 Klassen nach Uelde und Altenmellrich ausgelagert. 191 Schüler zählt die Mittelpunktschule.
1967 wird ein zweiklassiger Pavillon errichtet, der die Raumnot etwas mildert. Die Außenstellen Uelde und Altenmellrich werden geschlossen.
1969 Katholische Grundschule Mellrich
Kaum ist diese für die Gemeinden schmerzliche Umstellung einigermaßen akzeptiert, kommt die nächste Schulreform mit der Aufteilung der Volksschulen in Grundschule und Hauptschule. Die Hauptschule Anröchte entsteht und die beiden Grundschulen in Anröchte und Mellrich nehmen ihren Betrieb auf. 197 Kinder besuchen 1972 in 8 Klassen die Grundschule in Mellrich.
1968 und 1972 liegt die Schülerzahl kurzzeitig über 200.
Ein neuer Plan für die Erweiterung der Schule nach Norden - schon für die Planungen 1961 vorgeschrieben- wird erstellt. Bis zu sechs weitere Klassen mit Fach- und Nebenräumen, sowie eine Turnhalle werden geplant. Selbst der Platz für ein eventuell später zu errichtendes Lehrschwimmbecken ist vorgesehen.
Die Kirchengemeinde und die erzbischöfliche Behörde sind mit dem Verkauf des Geländes einverstanden. Die Planungen des Architekten Buddeus werden jedoch nicht weiter verfolgt. Alle Schulen sollen künftig in Anröchte konzentriert werden. Die Schulleiter Gerhard Priesnitz und Hubert Marke sichern den Bestand der Schule in Mellrich.
1984/85 Der Pavillon wird abgerissen und das Schulgebäude umgestaltet. Es gibt jetzt vier Klassenräume, einen Gymnastikraum, zwei Lehrmittelräume, einen Ausweichraum und die Küche.
1994 Die Schule bekommt einen Namen und heißt jetzt Alexanderschule

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Hier finden Sie alte Klassenfotos und einen Bericht über die Grundsteinlegung der Alexanderschule.